Im vergangenen Jahr hat EA Sports auf der hauseigenen E3-Pressekonferenz den Titel „EA Sports MMA“ angekündigt. MMA, diese drei Buchstaben stehen für „Mixed Martial Arts“, eine Mischung aus verschiedensten Kampfsportarten, die zu Kämpfen einladen, in denen nahezu alles erlaubt ist. In unseren Regionen ist MMA wenig verbreitet und wird teilweise sogar verachtet. Das liegt ohne Frage an dem hohen Grad der Brutalität solcher Kämpfe. In den USA sieht es dagegen komplett anders aus, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist die Sportart auf dem Weg nach ganz oben.
Kein Wunder also, dass EA Sports ein Stück vom Kuchen des Erfolges abhaben will und „EA Sports MMA“ in den Kampf schickt.
Aber gibt es nicht schon MMA-Spiele? Sehr richtig, zwei um genau zu sein. Aus dem Hause THQ kennt man die „UFC - Undisputed“-Reihe. UFC steht übrigens für „Ultimate Fighting Championship“ und ist die vielleicht größte MMA-Promotion die es gibt. Die 2009er-Auflage von „UFC Undisputed“ konnte mit einem Metascore von 83% sowohl bei Redakteuren, wie auch bei der Kundschaft Erfolge feiern. Ein Jahr später brachte THQ „UFC Undisputed 2010“ in den Handel. Die Wertungen gingen noch einmal etwas nach oben (84%), aber die Kauflaune der Kundschaft bleib aus. Gründe hierfür waren ohne Frage zu marginale Änderungen im Vergleich zum Vorgänger. Aus diesem Anlass hat sich THQ dazu entschlossen, die Serie im nächsten Jahr in den Urlaub zu schicken um 2012 erneut voll durchzustarten. Vor wenigen Tagen hat THQ den Vertag mit der UFC bis 2018 verlängert.
Interessant ist hierbei, dass eigentlich EA Sports als Partner der UFC vorgesehen war, zumindest aus der Sicht der Organisation selbst. Allerdings hat EA Sports eine Absage erteilt mit der Begründung „Ihr seit kein richtiger Sport...“. Verwunderlich natürlich das man wenige Jahre später selbst mit einem eigenen Titel aus der Ecke kommt. Selbstverständlich ist dies bei den Verantwortlichen der UFC nicht allzu gut angekommen, weswegen man eigenen Kämpfern verboten hat bei „EA Sports MMA“ mitzuwirken. Sollte es trotzdem einer wagen EA zu unterstützen würde er aus der Organisation geschmissen. So erstaunlich es klingen mag, einige Kämpfer hat es tatsächlich getroffen! Nur Randy Couture hat es als UFC-Kämpfer ins Spiel geschafft, weil er bei Vertragsverhandlungen Geschick gezeigt hat und der UFC nicht seine Persönlichkeitsrechte für Computer Spielen zu verkaufen.
Bleibt die Frage ob es EA Sports gelungen ist die Kampf-Spiel Erfahrung aller „Fight Night“ in den neuen Titel integrieren zu können oder ob man doch das Fehlen eines wichtigen Kooperationspartner wie der UFC nicht kompensieren konnte. Wir sagen es euch in unserem Test.
Spielmodi:
Neben schnellen Kämpfen, gibt es ein „MMA 1x1“ und einen Karriere-Modus. Wie der Name schon sagt handelt es sich bei „MMA 1x1“ um ein kleines Tutorial, welches euch mit den Grundlagen des Sports und der Steuerung vertraut macht. Der Karriere-Modus ist dagegen das Herzstück für Einzelspieler.
Zuerst müsst ihr euch einen Spieler zurecht basteln. Die Auswahlmöglichkeiten sind zwar nicht allzu groß, sollten aber reichen einen anschaulichen Kämpfer auf die Beine zustellen. Leider kann man nur vorgefertigte Gesichter auswählen, man hat also nicht ide Möglichkeit Mund, Augen, Gesichtsform usw. separat zu verändern. Dafür ist es möglich sein eingenes Gesicht via „Game Face“ in das Spiel zu integrieren. Hierzu muss man allerdings sagen, dass die Umsetzung bzw. das Endergebnis bei FIFA deutlich besser ist. Bei der Namensauswahl hat man eine Vielzahl an Namen zur Auswahl, welche natürlich auch von dem Kommentatoren im Spiel genannt werden, ist euer Name nicht dabei könnt ihr ihn manuell eingeben, müsst euch aber einen Spitznamen aussuchen, damit dieser von den Kommentatoren verwendet werden kann. Seit mit eurem Charakter zufrieden könnt ihr endlich ins loslegen. Aber natürlich werdet ihr nicht direkt in den Ring geworfen, sondern müsst ganz unten anfangen, im Gym von Bas Rutten. Dieser erklärt euch, falls gewünscht, die Grund Spielmechanik. Danach vermittelt er euch einen Gegner und ihr könnt beginnen mit dem Training. Acht Wochen sind es bis zum Kampf und diese müssen genutzt werden. Und beim Training sieht man die Ähnlichkeit zu der „Fight Night“-Reihe. Wie auch dort muss man kleine Minispiele absolvieren um seinen Kämpfer zu verbessern. Die Entwickler haben sich ein nettes Feature einfallen lassen, wenn man ein Training erfolgreich absolviert hat, kann man exakt das gleiche Simulieren lassen und bekommt erneut die vorher erreichten Fähigkeitspunkte. Hierdurch kann man sich viel Trainingszeit ersparen. Für jeden Kampf und auch jeden Sieg bekommt ihr eine Prämie. Diese könnt ihr in Reisen investieren. Dieses Reisen bringen euch in andere Trainingshallen zu anderen Trainern, die auf verschiedene Kampfstile spezialisiert sind, um euch gezielt zu verbessern oder sogar Spezialfähigkeiten bei zu bringen.
Insgesamt ist der Karriere-Modus sehr gut gelungen, allerdings ist er viel zu kurz. Bereits nach wenigen Tagen, evtl. sogar Stunden, hat man die Karriere beendet. Und dann steht man als Singleplayer leider vor der Frage was man machen soll. Eine neue Karriere oder Einzelkämpfe können nicht lange bei Laune halten. Mehr Umfang hätte sein müssen!
61 originale Kämpfer wurden in das Spiel integriert, sogar ein deutscher mit Andreas Kraniotakes. Die Anzahl reicht natürlich völlig aus und kann sich absolut sehen lassen. Für uns wird es egal sein, dass nur ein UFC-Kämpfer dabei ist, für die Fans in der USA wird es vielleicht ein größeres Problem sein.
Gameplay:
Das drumherum ist zwar immer schön und gut, aber letztendlich ist das Gameplay doch das wichtigste. EA Sports orientiert sich nicht an der Steuerung von THQs UFC-Spielen, dort dienten einfache Tastendrücke dazu Schläge oder Tritte auszuführen. Man hat sich entschieden die Steuerung hauptsächlich mit dem rechten Stick auszuführen. So sind bestimmte Bewegungen mit dem rechten Stick vonnöten um verschiedene Schläge und Tritte herbeizuführen. Clinches, Submissions oder Takedowns werden dagegen mit einem Tastendruck ausgeführt, Konter und Blocks ebenfalls. Ohne Frage ist es den Entwicklern von EA Tiburon gelungen, eine eingängige präzise Steuerung zu erschaffen.
Wer denkt es geht nur darum wie blöd auf die Tasten zu hämmern bis der Gegner auf dem Ringboden liegt, hat sich getäuscht. Der Sport hat mehr mit Taktik zutun als man vielleicht glauben mag. Jeder Angriff sollte wohl geplant und getimt sein, damit der Gegner nicht Kontern kann. So ist es sinnvoll erst einmal seine Ausdauer durch ein paar Schläge oder Tritte in die Magengrube zu senken. Danach kann man seien Gesundheit durch ein paar präzise Schläge auf den Kopf ins wanken bringen, sollte er immer noch stehen kann man ihm mit einem Takedown zu Boden befördern und dort versuchen mit einem Submission (z.B. versuchen den Arm aus zu kugeln) den Kampf zu beenden. Natürlich kann man auch anders an sein Ziel kommen, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, aber immer aufgepasst: Auch der Gegner hat einen genauen Plan für jeden Kampf! Wo wir schon beim Thema KI wären. Die Gegner verhalten sich schlau und versuchen jede Chance zu nutzen, deswegen ist auch fraglich warum man einige Kämpfe bereits zu Beginn der ersten Runde gewinnen kann. Dies passiert leider sehr häufig weil der Gegner nicht in der Lage ist sich unserer erdrückenden Überlegenheit zu entziehen. Dies tritt vornehmlich zu Beginn der Karriere auf, wenn euer Kämpfer den anderen überlegen ist. Im späteren Verlauf können die Kämpfe auch über die volle Distanz gehen und sogar eine Punktrichter-Entscheidung erzwingen.
Bleibt noch zu erwähnen, dass ein umfangreiches Replay-Feature eingebaut wurde. Hiermit habt ihr die Möglichkeit die besten Szenen eines Kampfes zusammen zu schneiden um später im Internet zu veröffentlichen.
Grafik & Sound:
Grafisch scheint man sich der „Fight Night Round 4“-Engine bedient zu haben, diese etwas aufgebohrt und schon ist der Grundstein gelegt. Zwar sehen die Boxer sehr gut aus, vor allem mit blauen Flecken und Cuts, dennoch ist Luft nach oben vorhanden. Gerader Ring und die Umgebung an sich könnten ein grafisches Update vertragen. Aber im Grunde ist die Grafik solide, aber hat halt noch potential. Leider ist sie nicht fehlerfrei. Häufiges Tearing bei Bewegungen in der Arena oder teils starke Ruckler in Cutscenes sind keine Seltenheit.
Fraglich ist auch warum die Menüs total langsam sind. Da dauert es schon einmal 20 Sekunden bis das Hauptmenü aufgerufen wird, weil man dummerweise einen animierten Kämpfer an die Seite gestellt hat. Mit einfachen Bildern wäre das nicht passiert und es hätte auch nicht geschadet. So ist es wirklich eine Qual sich durch die Menüs zu manövrieren, da ist es besonders ärgerlich da ein falscher Klick schon gerne 10 oder 20 Sekunden kosten kann... Die Gründe sind auch schleierhaft, weil das Laden eines Kampfes durchaus ziemlich schnell von statten geht.
Der Sound ist gut gelungen. Ein ordentlicher Soundtrack liefert die musikalische Untermalung und die Soundeffekte sind durchaus ansprechend. Auch der Kommentator macht seinen Job ordentlich, wirkt aber an manchen Stellen etwas abgehackt oder macht unpassende Kommentare. Aber im großen und ganzen ist der Sound gut gelungen.
XBOX Live/Multiplayer:
Bis zu 2 Spieler können an heimischen Konsolen Matchs gegeneinander austragen. Turniere oder ähnliches gibt es leider nicht.
Online hat man zwar Ranglisten und man kann sich verschiedenste Gürtel erkämpfen. Ebenfalls kann man mit bis zu 10 Spielern Turniere Online austragen. Technisch gibt es auch keine Probleme bei Online-Kämpfen.
Zu bemängeln ist wieder einmal, dass man einen Online-Pass benötigt um Online spielen zu können...