Musik-Spiele haben sich einer großen Beliebtheit erfreuen dürfen. Aber dies scheint leider Vergangenheit zu sein. Die Verkaufszahlen von Musik-Titeln sind in den letzten Jahren und vor allem aktuell rückläufig. Stellt sich die Frage, welche Gründe es für dieses große Problem gibt. Vermutlich ist es einfach mit der großen Vielzahl solcher Titel zu begründen. Anfang 2007 war es noch etwas besonderes als Harmonix Music Systems das erste Gitarren-Spiel auf die XBOX 360 brachten („Guitar Hero 2“). Wirklich wundern wird es keinen wenn man bedenkt, dass acht weitere „Guitar Hero“-Ableger bis heute erschienen sind. Ohne Zweifel in drei Jahren eine ganze Menge, wenn man sich ebenfalls vor Augen führt, dass sich im Grunde von Spiel zu Spiel sehr wenig getan hat, sind rückläufige Verkaufszahlen kein Wunder. Eine kleine Revolution im Musik-Genre gab es Ende 2007, als Harmonix (nun unter der Flagge von MTV Games tätig) das Spiel „Rock Band“ auf den Markt brachte. Das besondere an dem Spiel war die Vielfalt an Musik-Instrumenten. Neben einer Gitarre konnte man nun sowohl Schlagzeug und Mikrofone in die eigene Performance einbauen. Natürlich wurde dieses Konzept auch für die „Guitar Hero“-Reihe übernommen, aber auch Harmonix selbst hat vier weitere „Rock Band“-Ableger seit 2007 auf den Markt geworfen. Verwundert es euch also, dass der Markt übersättigt erscheint? Zwar will man immer mit neuer Musik versorgt werden, aber hierfür sind ja die Spiele eigenen Online-Shops im XBOX Live Marktplatz zuständig.
Wie gesagt sind Neuerungen der einzelnen „Rock Band“-Ableger nur schwer zu finden, somit sind eindeutige Neuerungen für „Rock Band 3“ unabdingbar. Aber kann man diese tatsächlich finden oder muss wieder einmal die Lupe zum Einsatz kommen? Wir sagen es euch in unserem Test!
Beginnen wir mit den Peripherie-Geräten oder Plastik-Instrumenten. Solltet ihr bereits Instrumente aus den Vorgängern oder der Konkurrenz zu Hause haben, braucht ihr keine Angst haben, da diese ohne Probleme funktionieren sollten. Neben dem Gitarren-, Bass und Gesangs-Part (mit 3 Harmonien) könnt ihr nun auch ein Keyboard benutzen. Dieses müsst ihr euch natürlich separat zulegen und kostet um die 80€. Eine ordentliche Stange Geld für ein wenig Plastik, aber dafür kann man das Keyboard nicht nur im Spiel nutzen, sondern kann auch eine Verbindung mit dem Computer herstellen und es hier als MIDI-Keyboard nutzen. 25 Tasten hat das Keyboard zu bieten und kann vielseitig eingesetzt werden. So werden die 25 Tasten in die bekannten fünf Farben unterteilt. So reicht es aus bei der entsprechenden Markierung eine Taste aus diesem Bereich zu drücken. Aufgrund der gleichen Funktionsweise kann man es auch als Gitarren- oder Bass-Ersatz nutzen. Wirklich interessant wird es aber erst im neuem Pro-Modus. Hierbei müssen nämlich die exakt richtigen Tasten gedrückt werden, die Aufteilung in Farbbereiche fällt zwar nicht ganz weg, dient aber nur noch zur groben Orientierung. Und man muss wirklich sagen, dass dieser Modus dem realen Keyboard spielen sehr nahe kommt. Neulinge können sogar die Grundzüge lernen und werden kaum Schwierigkeiten haben ein richtiges Keyboard zu bedienen.
Aber der Pro-Modus wurde nicht nur für das Keyboard eingeführt, auch Drums und Gitarre können ihren nutzen hieraus ziehen. Allerdings benötigt ihr neue Instrumente. Die Pro-Drums kosten um die 150€ (!) und sehen im Grunde den „Guitar Hero“-Drums zum verwechseln ähnlich und bieten im Grunde auch nur wenig neue Features. Wirklich neu ist dagegen die Pro-Gitarre, welche leider auch mit 150€ ein Loch in eure Geldbeutel reißen. Aber dafür sind hier Veränderungen deutlich sichtbar. So wird nicht nur die Anschlags-Taste durch sechs Saiten ersetzt, auch die fünf farbigen Knöpfe gehören der Vergangenheit an. Dafür sind nun 7 Bundabschnitte mit je 6 Knöpfen zu finden, somit habt ihr die Möglichkeit 102 (!) verschiedenen Positionen auf der Gitarre. Wer schon nicht mit den fünf farbigen auf den alten Gitarren zurecht kommt wird hier natürlich heillos überfordert sein, aber dennoch ist es eine neue und sehr interessante Art mit Musik-Spielen zu musizieren. Natürlich stellt sich die Frage, warum man eine Gitarre für Profis für ein Musik-Spiel entwickelt. Im Grunde können Profis doch gleich zu einer echten Gitarre greifen, aber gut...
Am Spielprinzip hat sich nichts bewegendes verändert. Muss es auch nicht, weil es bisher auch perfekt funktioniert hat. Als nette Beigabe gibt es jetzt den eben schon beschriebenen Pro-Modus. Aber wie gesagt, richtet sich dieser tatsächlich nur an Profis, bzw. Leute die zu viel Geld haben.
Der Karrieremodus hat eine Facelift bekommen. So reicht es nun nicht mehr aus einige Set-Listen runter zu dudeln und danach weiter zum nächsten Gig. Nun müsst ihr Herausforderungen erfüllen, von denen es über 700 (!) im Spiel gibt. Ihr erarbeitet euch so Erfahrungspunkte und bekommt immer mehr Fans, als Belohnung gibt es natürlich wieder freischaltbare Items wie neue Charaktere oder Instrumente. Das mag den ein oder anderen zwar nicht vom Hocker hauen, ist aber im Vergleich zu den Vorgängern oder der Konkurrenz etwas neues und macht deutlich mehr Spaß.
Aber eine Karriere-Modus alleine kann ein Musik-Spiel nicht zu seinem Glanz verhelfen. Die Musik-Auswahl ist entscheidend für den Erfolg. Und hier muss man sagen, dass sich die Titel-Auswahl eindeutig verändert hat. Waren „fürher“ immer Rock- oder Heavy Metal-Titel ein Muss, damit auch immer die Gitarre erfolgreich genutzt wurde, sind nun Main Streams-Songs an der Tagesordnung. Viele bekannte aktuelle, aber auch etwas ältere Songs sind mit von der Partie, die nun zum Großteil einen hörbaren Keyboard-Part haben. Dies mag zwar nicht jedem gefallen, dennoch sollte der Großteil von Euch viele bekannte Songs wieder finden. Damit Ihr euch selbst überzeugen könnt sind hier alle Songs aufgelistet:
- Amy Winehouse - Rehab
- Anthrax - Caught in a Mosh
- At the Drive-In - One Armed Scissor
- Avenged Sevenfold - The Beast & the Harlot
- The B-52s - Rock Lobster
- Beach Boys - Good Vibrations (Live)
- Big Country - In a Big Country
- Blondie - Heart of Glass
- David Bowie - Space Oddity
- The Bronx - False Alarm
- James Brown - I Got You (I Feel Good)
- Chicago - 25 or 6 to 4
- The Cure - Just Like Heaven
- Deep Purple - Smoke on the Water
- Def Leppard - Foolin´
- Devo - Whip It
- Dio - Rainbow in the Dark
- Dire Straits - Walk of Life
- Doobie Brothers - China Grove
- The Doors - Break on Through (To the Other Side)
- Dover - King George
- Echo & the Bunnymen - The Killing Moon
- Elton John - Saturday Night´s Alright for Fighting
- Faith No More - Midlife Crisis
- Filter - Hey Man, Nice Shot
- The Flaming Lips - Yoshimi Battles the Pink Robots Pt. 1
- Foreigner - Cold as Ice
- Golden Earring - Radar Love
- HIM - Killing Loneliness
- Huey Lewis and the News - The Power of Love
- Hypernova - Viva La Resistance
- Ida Maria - Oh My God
- INXS - Need You Tonight
- J. Geils Band - Centerfold
- Jane´s Addiction - Been Caught Stealing
- The Jimi Hendrix Experience - Crosstown Traffic
- Joan Jett - I Love Rock´n´Roll
- Juanes - Me Enamora
- John Lennon - Imagine
- Lynyrd Skynyrd - Free Bird
- Mana - Oye Mi Amor
- Marylin Manson - The Beautiful People
- Bob Marley & The Wailers - Get Up, Stand Up
- Metric - Combat Baby
- The Muffs - Outer Space
- Night Ranger - Sister Christian
- Ozzy Osbourne - Crazy Train
- Paramore - Misery Business
- Phish - Llama
- Phoenix - Lasso
- The Police - Don´t Stand so Close to Me
- Poni Hoax - Antibodies
- Pretty Girls Make Graves - Something Bigger, Something Brighter
- Primus - Jerry Was a Racecar Driver
- Queen - Bohemian Rhapsody
- Queens of the Stone Age - No One Knows
- Rammstein - Du Hast
- Ramones - I Wanna be Sedated
- The Ravonettes - Last Dance
- Rilo Kiley - Portions for Foxes
- Riverboat Gamblers - Don´t Bury Me... I´m Still Not Dead
- Roxette - The Look
- Slipknot - Before I Forget
- Smash Mouth - Walkin´ On The Sun
- The Smiths - Stop Me if You Think You´ve Heard This One Before
- Spacehog - In the Meantime
- The Sounds - Living in America
- Steve Miller Band - Fly Like an Eagle
- Stone Temple Pilots - Plush
- Swingin´ Utters - This Bastards Life
- T.Rex - 20th Century Boy
- Tears for Fears - Everybody Wants to Rule the World
- Tegan & Sara - The Con
- Them Crooked Vultures - Dead End Friends
- Tokio Hotel - Humanoid
- Tom Petty and the Heartbreakers - I Need to Know
- The Vines - Get Free
- War - Low Rider
- Whitesnake - Here I Go Again
- The White Stripes - The Hardest Button to Button
- The Who - I Can See for Miles
- Yes - Roundabout
- Warren Zevon - Werewolves of London
Nebensächlich sind bei Musik-Spielen die optischen Aspekte. Beim spielen konzentriert man sich auf den Noten-Highway und kann von der Grafik drumherum nur sehr wenig wahrnehmen. Im Pro-Modus ist es noch viel schlimmer, da die Noten sehr schnell erscheinen und wieder verschwinden. Nichts desto trotz ist die Grafik recht ordentlich. Zwar bleibt sie ihrem etwas Comichaft anmutigen Look treu, aber das muss nicht zwingend etwas schlechtes sein. Auch die Bewegungen der Künstler auf der Bühne wirken ziemlich realistisch und lassen kaum Grund zum meckern. Einzig merkwürdig ist es, wenn eine Frau auf der Bühne einen Song singt, der eindeutig von einem Mann gesungen wird. Hier hätte man doch einfach ein männliches Mitglied aus der Band den Gesangs-Part übernehmen lassen können.
In Sachen Akustik gibt es keine Mängel zu erwähnen. Der Sound, vor allem die Musik, hört sich erstklassig an und lässt kaum wünsche offen.
Auch der Online-Part kehrt im dritten „Rock Band“-Teil zurück. Durch das Keyboard können nun bis zu sieben Spieler gleichzeitig antreten. Technisch gibt es auch hier nichts bemängeln.