Mit Beyond Good & Evil erschuf Ubisoft im Jahr 2003 ein fantastisches Action-Adventure mit vielseitigen, liebenswerten Charakteren, einer glaubwürdigen Spielwelt und einer packenden Atmosphäre. Dabei vermischte man so ziemlich alles was man damals auf dem Spielemarkt antraf zu einem Potpourri und wollte so eine neue Marke etablieren. Leider glückte dieses Vorhaben nicht wirklich und trotz überragender Kritiken seitens der Fachmagazine, verstaubten die Kopien in den Händlerregalen und somit schlug man alle Pläne um Fortsetzungen in den Wind. Jetzt, satte 9 Jahre später versucht man es nochmals als HD-Auflage. Erhält Beyond Good & Evil jetzt die Anerkennung und auch die Verkaufszahlen, die es schon damals verdient hätte?
Jade, die Revoluzzerin
Die Geschichte findet im Jahr 2435 auf dem Planeten Hillys statt. Als Spieler übernimmt man die Kontrolle von Jade, die sich mit vollem Engagement um Weisenkinder der Opfer der ausserirdischen DomZ kümmert. Als aber eben jene eines Tages wieder einen Angriff auf Hillys starten, wollen sich Jade und ihr schweinischer Onkel Pey’j mitsamt der Kinder hinter dem Schutzschild verstecken. Blöderweise wurden aber die Rechnungen längers nicht mehr bezahlt, weshalb dieser natürlich nicht anspringt. Mit grösser Mühe und einer Portion Glück zerschlagen die beiden aber den Angriff. Das spricht sich natürlich herum und so kontaktiert die Untergrundorganisation IRIS die Protagonistin. Auf Hillys ist nämlich die Alpha-Sektion für den Schutz zuständig, aber IRIS ist der Überzeugung, dass Alpha unter einer Decke mit den DomZ steckt. So engagiert IRIS eben Jade als Journalistin, um die Machenschaften der Armee aufzudecken. Jade entdeckt dann schon bei der ersten Infiltration einer Fabrik, dass man regen Menschenhandel betreibt und dass die DomZ die Alpha-Sektion mit Hilfe von Manipulation fest im Griff haben. Dummerweise wird dann auch noch Pey’j entführt, so dass Jade sich bis ins Herz des Feindes wagen muss, um ihn zu retten.
Wie Zelda oder Mario
Bis es aber soweit ist, vergehen Stunden, die ihr so schnell nicht wieder vergessen werdet. Das liegt zum einen an der Regelmässigkeit, wie neue Charaktere eingeführt und dann auch vertieft werden und zum anderen an all den einzelnen Gameplay-Bestandteilen, die grossartig miteinander verflecht wurden. Die Entwickler vermitteln wie in den offensichtlichen Vorbildern aus dem Hause Nintendo den Eindruck einer grossen und frei begehbaren Welt, lassen euch aber eigentlich ziemlich linear von Punkt A nach Punkt B reisen. Dadurch kann man sich eigentlich nie wirklich verlaufen und man weiss eigentlich immer sofort, wo man hin muss, wenn man eine neue Fertigkeit erlernt hat. Dazwischen kann man sich aber die Zeit mit Minigames wie eine Art von Tischhockey (!) oder Hütchenspiel vertreiben, Hovercraft-Rennen fahren, die reichhaltige Tierwelt fotografieren oder aber Perlen , die man für’s Aufrüsten des Hovercrafts benötigt, oder sogenannte MDisks suchen. Doch selbst wenn man sich nur auf die Story konzentriert wird eine dermassen abwechslungsreiches Spielerlebnis geboten, dass selbst heute noch vorbildlich ist. Schon damals hat man das Kampfsystem nur auf die X-Taste verlegt, damit man keine Verrenkungen bekommt. Was man heute aus diversen Beispielen kennt, hat also schon 2003 Einzug gehalten. Trotz der krassen Limitierung erweist sich das Kampfsystem als flüssig und leicht zugänglich. Klar erreicht es nie die Klasse eines Bayonetta, zu sehr wollte man das Spiel für den Mainstream konzipieren. Dazwischen werden immer wieder eure grauen Zellen mit richtig einfallsreichen Rästeln gefordert, wobei man mit logischem Denken meistens schnell hinter die Lösung kommt. Selbst die später Sam Fisher-typischen Schleichpassagen kann man in Beyond Good & Evil finden. Selbstredend fehlen fordernde Bosskämpfe sowie überraschende Storytwists genau so wenig!
Schön aufpoliert
Bereits 2003 war Beyond Good & Evil ein wunderschönes Spiel und von diesem Glanz hat es über all die Jahre kaum etwas eingebüsst. Das liegt natürlich in erster Linie daran, dass man Spiele die einen Comic-Look haben, anscheinend leichter HD-konform machen kann als eher realitätsnahe Spiele. Durch den HD-Port haben besonders die Kampfeffekte und die Hauptprotagonistin Jade profitiert. Was man hier ab und zu an Effekten auf dem Bildschirm zündet ist aller Ehrens wert. Aber auch Jade macht in HD eine verblüffende Figur und stellt so einige Vollpreis-Kollegen in den Schatten. Leider haben aber Nebencharaktere und grössere Texturen die Konvertierung weniger gut überstanden, was in den Zwischensequenzen öfters deutlich wird. Dafür muss man aber dem Spiel noch zu Gute halten, dass ganz speziell der erste Dungeon auf der schwarzen Insel ein wahrer Augenschmaus ist! Leider wird man im ganzen Spiel nie mehr auf eine solch farbenfrohe, lebendige, detailreiche Umgebung stossen. Das scheint merkwürdig, denn dadurch dass die deutsche sowie die englische Sprachausgabe schon im Original sehr professionell waren, hätte man durchaus ein wenig mehr Zeit in die Grafik respektive ins Spiel selbst stecken können. Denn im Vergleich mit modernen Action-Adventures fallen einige der Animationen doch ab und dass müsste eigentlich nicht sein. Ausserdem hatte auch das Original schon einige Kameraprobleme und die Steuerung ist nicht mehr ganz Up-to-date, doch auch das kratzt nur minimal am glänzenden Lack!